Tradition


Das deutsche Bekleidungshandwerk

Deutschland ist seit vielen hundert Jahren Heimat einer langen Tradition des Schneider-, Weber und Tuchmacherhandwerks und erlebte gegen Ende des 18. Jahrhunderts seinen ersten industriellen Aufschwung aufgrund der sich entwickelnden Textilindustrie. Die zu diesem Zeitpunkt eingeführte Konfektionierung der Bekleidung machte sie erschwinglicher und trieb die Entwicklung der Industrie zusätzlich an. Diese florierte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein und beschäftigte in vielen Regionen des Landes einen großen Teil der Bevölkerung. Seit den 1960er Jahren gingen über 400.000 Stellen in Deutschland verloren, da die Bekleidungsfirmen aus Kostengründen in immer günstigeren und ferneren Produktionsländern produzieren ließen. Ein Verfall von Qualität und Preis nahm seinen Lauf. Deutsche Produktionsbetriebe sind in der Bekleidungsindustrie beinahe verschwunden. Die verbliebenen Bekleidungsfirmen haben schwer mit dem Qualitätsverfall zu kämpfen und müssen sich mit vertikalen Großkonzernen messen.

Die Hildischs

Meine Familie, die Hildischs aus Neustadt an der Orla in Thüringen sind seit fast 400 Jahren Teil dieser speziellen deutschen Geschichte, der Geschichte eines präzisen und sensiblen Handwerks voller Gefühl und Hingabe. Die braucht man um die Geduld für die Herstellung von Stoffen und Kleidungsstücken aufzubringen. Die braucht man, wenn man sich die verschwindend geringen Löhne ansieht die in diesem Handwerk lange gezahlt wurden. Mein Ur-ur-ur- Großvater Christof Friedrich Hildisch, geboren 1798, selbst Sohn eines Tuchmachermeisters, war Tuchmachermeister und heiratete sogar die Tochter eines Tuchmachermeisters. Bis hin zu meinem 1969 verstorbenen Großvater war jede Generation der Hildischs vorwiegend Tuchmacher, Weber und Schuster gewesen. Von dieser langen Tradition hatte ich nicht viel mitbekommen, denn mein Vater war Soldat. Erst als ich mit dem Wunsch Modedesigner zu werden eine Schneiderlehre absolvierte wurde mir bewusst, dass mich sehr viel mit der Schneiderei verband.

Am Ende der langen Arbeitstage in der Miltenberger Kleiderfabrik wo ich Sakkomuster für Daniel Hechter und Karl Lagerfeld im Akkord nähte begab ich mich in den Keller meiner Eltern wo ich an eigenen Kollektionen weiternähte. Ich selbst war der letzte Lehrling in dieser Firma. Die Näherei gibt es nicht mehr. Meine Berufsschule hat keine Schneiderklasse mehr. In der Region Aschaffenburg ist, wie in vielen anderen Regionen des Landes das Schneiderhandwerk dem Aussterben preis gegeben. Die Qualität und die Passform deutscher Konfektion soll jedoch nicht vergessen werden. Natürlich konnten wir uns nie mit den italienischen Maßschneidern messen. So etwas wie großes Design hatte die deutsche Bekleidungsherstellung erst erfasst als das Schiff schon fast gesunken war. Konfektion war vielleicht nie cool und die Stimme der Qualitätshersteller damals war nie so laut wie die derjenigen die heute ihren Ramsch aus überproduktionen in den Fußgängerzonen verhökern, aber diese Qualität soll und darf nicht untergehen. sie verdient eine zweite chance, als treuer Begleiter, als Lieblingsstück als Stoff gewordene Geschichte...

als HiDDEN ACES Jacke.